Dienstag, 31. März 2015

Wir wünschen allen Lesern frohe und gesegnete Ostern


Gerhard Kardinal Müller an Mathias von Gersdorff: "Wir müssen viel für das Ideal der Ehe und der Familie tun"



Unnatürliche Frühsexualisierung der Kinder durch Gender-“Bildungspläne”

Peter Helmes

Die Reaktionen in der Bevölkerung auf die verschiedenen „Bildungspläne“ und den neuesten „Aktionsplan“ Baden-Württemberg nehmen zu.

Eine erfreuliche Entwicklung; denn immer mehr Bürgern wird bewußt, was da an Entsetzlichkeiten geplant ist. Sie, die Links-Grünen, basteln einen „neuen Menschen“, eine „neue Natur“.

In vielen Bundesländern wird derzeit (bereits mit einigem Erfolg) versucht, die sog. „sexuelle Vielfalt“ zum Unterrichtsthema zu machen. Es kommt dadurch zu einer unnatürlichen Frühsexualisierung der Kinder an unseren Schulen. Die Grundschule wird durch „Sexuelle Vielfalt“, Gender-Ideologie und Frühsexualisierung regelrecht „auf den Kopf“ gestellt!

Die (geplante) Wirklichkeit der Kretschmänner & Genossen ist aber schon anders: Linke Lehrer werden in ihren Bemühungen gestärkt, eine Art Gehirnwäsche zu betreiben.

Baden-Württembergs grüner („katholischer“) Ministerpräsident Kretschmann zeigt in einem irrgeistigen Wahn sein wahres Gesicht und läßt seine „Reform-Beamten“ an einem neuen Modell der Verziehung und Entnaturisierung unserer Gesellschaft werkeln.

Wie immer in solchen Fragen ist ausgerechnet die Schweiz der Vorreiter. Wir können also da studieren, was auf unsere Kinder demnächst zukommt  –  wobei es in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen  und NRW heute bereits „erprobt“ werden kann.

BILDER: Protest-Demo in Stuttgart gegen grün-rote “Bildungspläne”

Was sich hier zeigt, bedeutet, Pädophilie und Sadomasochismus unter dem Deckmantel der Toleranz hoffähig machen zu wollen.

Daß Kinder keine Erwachsenen sind, ist eine Binsenweisheit, die hier mit Füßen getreten wird. Kinder übernehmen Begriffe wie Toleranz oder Gleichheit usw. unkritisch, was schnell zu Fehlschlüssen führt.

Wie folgenschwer dies sein kann, beweist sich am Beispiel von Schülern aus Esslingen, die am Freitag, 23.5.2014, ein „Zeichen für Toleranz“ gesetzt und die Geschlechter getauscht haben: Die Jungen kamen im Röcken, und die Mädchen trugen Bärte.

Bernd Saur, der Vorsitzende des Baden-Württembergischen Philologen-Verbandes, kritisierte die schleichende Frühsexualisierung der Kinder an Deutschlands Schulen sehr scharf. Verschiedene Politiker entsetzten sich daraufhin öffentlich über Saur”s Äußerungen und forderten über die Medien, der Verband solle sich von seinem Vorsitzenden distanzieren.

Der Verbandschef nahm in seinem aufrüttelnden Artikel kein Blatt vor den Mund und benannte konkret, was man unter der sogenannten “Sexualpädagogik der Vielfalt”, wie sie in einigen Bundesländern angestrebt wird, genau verstehen darf.

Unter anderem werde von führenden Sexualpädagogen gefordert, man solle im Unterricht über Dildos, Taschenmuschis, Vibratoren, Handschellen, Aktfotos, Vaginalkugeln und sogar Lederpeitschen und Fetische sprechen. Themen wie Spermaschlucken, Dirty-Talking, Oral- und Analverkehr bis zu Gruppen-Sex-Konstellationen sollten dabei nicht ausgeklammert werden.

Auf Nachfrage nannte Saur die Sexualpädagogen Uwe Sielert aus Kiel und Elisabeth Tuider von der Uni Kassel, in deren Veröffentlichungen solche Lehrpläne propagiert werden.

Er betonte, daß diese Pornographisierung der Kinder eine eklatante Verletzung der Schamgrenze darstelle. Es gehe hier um ein „Überstülpen von Neigungen und Phantasien Erwachsener auf Schulkinder“. Für ihn sprenge dies eindeutig den Rahmen dessen, was Kindern zugemutet werden dürfe.

Peter Helmes ist erfolgreicher Buch-Autor und ehem. Bundesgeschäftsführer der JU; er betreibt die liberal-konservative Webseite http://www.conservo.com

Berlin-Neukölln: Extra-Schwimmzeiten für Transsexuelle

(Junge Freiheit) In Berlin-Neukölln sollen Trans- und Intersexuelle nach dem Willen des Bezirksparlaments in öffentlichen Bädern eigene Schwimmzeiten erhalten. Auf einen entsprechenden Antrag der Piraten einigte sich die Bezirksverordnetenversammlung am Mittwoch mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei. Die CDU stimmte gegen das Vorhaben. Das Bezirksamt habe nun sechs Monate Zeit, das Parlament über die Umsetzung des Antrags zu informieren, sagte eine Sprecherin der JUNGEN FREIHEIT.

In dem Antrag heißt es: „Da der Schwimmbadbesuch für Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen, mit einem spezifischen Schutzbedürfnis vor Stigmatisierung und Diskriminierung verbunden ist, soll ein Neuköllner Schwimmbad mindestens einmal im Monat zwei Stunden nur trans- und intersexuelle Menschen vorbehalten sein.“

Schwimmbad als „Schutzraum“

Begründet wird die Forderung damit, daß „an kaum einem anderen Ort eine Unterscheidung von Mann und Frau so allgegenwärtig“ sei, wie im Schwimmbad. Trans- und intersexuellen Menschen solle ermöglicht werden, als Gruppe ein Schwimmbad für sich zu haben – „als sogenannter Schutzraum“. Schließlich seien Schwimmbäder kein diskriminierungsfreier Raum und durch die notwendige Badebekleidung würden Diskriminierungsmerkmale besonders offengelegt.

Im Nachbarbezirk Kreuzberg waren vor zwei Jahren bereits auf Antrag der Piraten die Anschaffung sogenannter „Unisextoiletten“ beschlossen worden. Neben Toiletten für Männer und für Frauen solle es noch auch in allen öffentlichen Gebäuden WCs für Menschen geben, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.

Berliner “BZ” kritisiert schulische Sexualkunde

(Felizitas Küble - Christliches Forum) Die Berliner Tageszeitung “B.Z.” veröffentlicht regelmäßig gesellschaftskritische Kolumnen ihres Redakteurs Gunnar Schupelius, so auch am Mittwoch, den 25. März 2015.

In seinem Artikel unter dem Titel “Na endlich! Der Sexualkunde-Unterricht soll korrigiert werden?” fragt der Autor gleich eingangs:

“Hat schon mal jemand untersucht, welche Verwirrungen und Schäden eine zu frühe Sexualerziehung verursachen könnte?”

Schupelius berichtet, dass in Berlin jetzt offenbar die schlimmsten Auswüchse staatlicher Beeinflussung an Grundschulen beschnitten werden:

“Der Rahmenlehrplan für Berlins Schulen wird überarbeitet. Offenbar wird auch der Rahmen für die Sexualkunde verändert. (…) Aus dem Sachkundeunterricht der Klassen 1 bis 4 werde das Thema „sexuelle Orientierung“ gestrichen, lautet die Kritik. Dort hat sie auch gar nichts zu suchen, würde ich sagen.

Weshalb sollen sich fünf- bis neunjährige Kinder über verschiedene Formen der Sexualität Gedanken machen? Das können sie auch später noch tun. Und ob sie es gemeinsam mit ihren Lehrern tun müssen, bleibe dahingestellt.”

Allerdings – denn immerhin gibt es das sog. “Elternrecht”, also das Hoheitsrecht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, das auch im Grundgesetz (Art.2,2) ausdrücklich festgehalten ist. Der Staat hat keinen Anspruch darauf, dieses natürliche Recht durch eigene Machtanmaßungen und Übergriffe zu verdrängen.

Außerdem wird dabei in der Praxis über die Köpfe der Kinder hinweg ideologische Indoktrination betrieben und so die ungestörte psychosexuelle Entwicklung beeinträchtigt, wie der BZ-Redakteur zutreffend erwähnt:

“Wer aber versetzt sich in die Lage der Kinder? Vielleicht wollen sie in der Grundschule gar nichts über Sex wissen, sondern einfach noch Kinder sein.”

Abschließend stellt er zielsicher die Frage:

“Hat schon mal jemand untersucht, welche Verwirrungen und Schäden eine zu frühe und zu aufdringliche Sexualerziehung verursachen könnte?”

Katrin Albsteiger (MdB CSU): 'Gendermainstreaming ist Ideologie!'

Foto-AG Gymnasium Melle/
(PM Albsteiger MdB) Vor vollem Haus im „Löwenbräu“ Berlin habe ich mich mit der Publizistin Birgit Kelle getroffen. Thema: Die Auswüchse des „Gender-Mainstreaming“ in Deutschland im Rahmen einer Besprechung ihres neuen Buches „GenderGaga: Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will.“ „Gender-Mainstreaming“ bedeutet, dass jegliche staatliche Entscheidung auf ihre „geschlechtsspezifischen“ Auswirkungen abgeschätzt wird. 

Unsere Bilanz: Diese Lehre hat viele neue Stellen in Staat und an den Hochschulen geschaffen – konkrete Verbesserungen für die Chancengleichheit sind kaum fühl- oder messbar. Entstanden ist allerdings allerlei diskussionswürdiger Unsinn

Wir sind uns einig: Sprachleitfäden, die uns anhalten nicht mehr „Ansprechpartner“ sondern „Ansprechperson“ zu sagen oder auf Ausdrücke wie „Heulsuse“ (stattdessen: „Person, die viel weint“) oder „Milchmädchenrechnung“ (stattdessen: ?) zu verzichten, sind nutzlos. Dass in manchen Unis bereits schlechtere Bewertungen drohen, wenn man seine wissenschaftlichen Arbeiten nicht entsprechend „gendergerecht“ abgibt, ist skandalös.

Einige Auswüchse dieser sich schleichend verbreitenden Lehre, von deren Nutzen ich nicht überzeugt bin: Da ist die Auswahl aus 40, 60 oder gar 4000 Geschlechtern (je nach zugrundeliegender Theorie). Da ist die Dämonisierung derer, die mit der klassischen Einschätzung, dass es vornehmlich zwei Geschlechter gibt, ganz gut zurechtkommen. Da ist die Zwangsvorstellung, Mädchen würden durch „Konditionierung“ zu Mädchen (Pferdezeitschriften, pinke Kleider, speziell Ü-Eier für Mädchen etc. ) und nicht vornehmlich durch Veranlagung.

Achtung: Ich bin für die Wahlfreiheit der Lebensentwürfe. Ich bin auch für die Förderung von Minderheiten und möchte den respektvollen Umgang mit Menschen, die sich nicht mit den „klassischen Geschlechterrollen“ identifizieren wollen oder können, sehen. Ich halte aber das Überstülpen einer zweifelhaften Denweise über die ganze Gesellschafft, die dazu nie befragt worden ist, für das das falsche Mittel.

Meine persönliche Bilanz des Abends mit Birgit Kelle auf Einladung der „Christdemokraten für das Leben“ in Berlin: Bei Gender-Mainstreaming geht es nicht um Frauenförderung, sondern es geht um Ideologie


Der Maßnahmenkatalog spricht Bände: Sprache „bereinigen“, Lehrpläne verändern, ein wie auch immer geartetes „gesellschaftliches Klima“ herbeiführen – das sind alles Instrumente aus dem Werkzeugkasten der Ideologen. Hier nehmen ein paar Leute ihre Überzeugungen zu wichtig. Ziel ist nicht „Frauenförderung“, sondern „Umerziehung“ – das ist aber nicht die Aufgabe von Politik.

Interfraktionelle Kleine Anfrage zu neuen Bluttests auf Down-Syndrom eingebracht

Anlässlich der Einbringung der Kleinen Anfrage „Vorgeburtliche Blutuntersuchung zur Feststellung des Down-Syndroms“ erklären die Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer (B90/Grüne), Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Linke):

Mit einer interfraktionellen Kleinen Anfragen richten Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen das Augenmerk auf eine möglicherweise verhängnisvolle Entwicklung in der Pränataldiagnostik: Die Massenanwendung eines scheinbar harmlosen Bluttests könnte dazu führen, dass zukünftig deutlich weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden. Seit einiger Zeit sorgen derartige Tests auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) daher für ethische Debatten.

Seit der Deutschen Einheit ist dies die erste interfraktionelle Kleine Anfrage, die von Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen getragen wird. Uns alle eint die Befürchtung, dass die Möglichkeit, früh und risikoarm zu testen, eine gesellschaftliche Erwartung erzeugen könnte, diese Angebote zu nutzen. Eltern, die sich gegen den Test oder wissentlich für ein behindertes Kind entscheiden, könnten künftig immer mehr in Erklärungsnöte geraten.

Erfahrungen aus anderen Ländern stützen diese Sorge: In Dänemark wird seit 2005 allen Schwangeren angeboten, testen zu lassen, ob sie ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringen werden. Bereits im Folgejahr nahmen 84 Prozent das Angebot an. Die Zahl der in Dänemark mit Down-Syndrom geborenen Kinder hat sich seither halbiert.

Eine verstärkte Aufklärung, welche konkrete Unterstützungsangebote Eltern von Kindern nutzen können, kann dazu beitragen, Ängste und Vorurteile abzubauen und für gesellschaftliche Vielfalt zu werben.

Der Deutsche Ethikrat hat in seiner Stellungnahme „Die Zukunft der genetischen Diagnostik“ ein beunruhigendes Szenario entworfen, sollten derartige Tests auf breiter Basis zum Einsatz kommen. Wir möchten sicherstellen, dass keine Entscheidungen getroffen werden, ohne dass mögliche Folgen politisch bewertet wurden.

Hintergrund:

Mit sogenannten „nicht-invasiven“ Tests können Schwangere durch eine einfache Blutuntersuchung feststellen lassen, ob ihr Baby mit Down-Syndrom geboren wird. Die Hersteller bewerben diese Bluttests als risikolose Alternative zu herkömmlichen Plazenta- oder Fruchtwasserpunktionen.

Gegenwärtig prüft der Gemeinsame Bundesausschuss, ob er eine Erprobung gemäß § 137e SGB V beschließt. Am Ende eines Erprobungsverfahrens könnten diese Bluttests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden.

Intensiver Internetkonsum stört Bindungsfähigkeit Jugendlicher zu Gleichaltrigen

Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsmedizin Mainz stellt aktuelle Studie zum Einfluss von Onlinespielen und Sex-Portalen vor

Pressemitteilung der Universität Mainz


Allein im abgedunkelten Zimmer, Tag und Nacht vor dem Computer, keine Freunde in der wirklichen Welt – viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind in einem Teufelskreis aus Internetsucht und Einsamkeit landet. Gehen echte Beziehungen zwischen sozialen Netzwerken wie Facebook und Onlinespielen wie World of Warcraft verloren, wo doch der Aufbau von Freundschaften zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben des Jugendalters gehört? Dieser Frage ist jüngst ein Forscherteam um Univ.-Prof. Dr. Manfred E. Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsmedizin Mainz, mit einer Befragung von rund 2.400 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren in Rheinland-Pfalz nachgegangen.

"Jugendliche, die häufig Angebote von Onlinespielen und Sexportalen nutzen, haben eine schlechtere Bindung zu ihren Freunden. Das heißt, sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden nicht so sehr und fühlen sich von anderen stärker entfremdet. All diese Faktoren begünstigen letztlich die soziale Ausgrenzung", so Beutel zu den zentralen Ergebnissen der Studie. Digitale soziale Netzwerke seien hingegen förderlich für die Beziehung und Bindung zu Gleichaltrigen. Allerdings könnten sie zu einem suchtartigen Gebrauch führen, der wiederum die Bindung zu Gleichaltrigen negativ beeinflusst.

3,4 Prozent der befragten Jugendlichen nutzen das Internet suchtartig, sind also mehr als sechs Stunden täglich online, haben keine Kontrolle mehr über Onlinezeiten, geben ihre Interessen auf und erleiden schädliche persönliche, familiäre oder schulische Konsequenzen aufgrund der vielen Zeit vor dem Computer oder am Handy. Keinen suchtartigen, aber dennoch exzessiven und ausufernden Gebrauch zeigen 13,8 Prozent der Befragten.

Laut der Studie sind Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen, unterscheiden sich allerdings hinsichtlich der Inhalte, mit denen sie sich online beschäftigen. Mädchen nutzen das Internet häufiger für den sozialen Austausch, zur Recherche und zum Onlineshopping, während Jungen mehr Zeit mit Onlinespielen verbringen. Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, der in seiner Klinik in der Ambulanz für Spielsucht auch betroffene Jugendliche und Eltern behandelt, stellt zudem fest: "Sozial unsichere oder gehemmte Jugendliche wenden sich eher Onlineaktivitäten zu, die weniger Kontakt und Austausch erfordern." Seine Empfehlung lautet deswegen: "Eltern und Lehrern haben die Aufgabe, Jugendliche sowohl in der Entwicklung ihrer Mediennutzung zu begleiten als auch ihren sozialen Umgang zu beachten."

Hartmut Steeb zur neuesten Abtreibungsstatistik: Statistiken können Lügen

Hartmut Steeb ist Generalsekretär der "Evangelischen Allianz". Der folgende Beitrag erschien als Leserbrief in der Stuttgarter Zeitung vom 28. März 2015:

Statistiken können Lügen. Das weiß auch der Volksmund. Das gilt auch für die Statistiken über die Abtreibungszahlen. Sie sind kaum das Papier wert auf dem sie gedruckt sind. Ihren Wahrheitsgehalt muss man anzweifeln, weil es entgegen sonst üblicher Statistiken keine Plausibilitätsprüfung gibt.

Man verzichtet z.B. auf einen im Grund einfachen leicht möglichen Vergleich, ob denn die Zahl der von Krankenkassen abgerechneten Abtreibungen und von den Sozialkassen bezahlten zum gleichen Ergebnis kommt. Auch gibt es keine vollständige Erfassung, weil den Ärzten und Abtreibungskliniken keine Bestrafung droht, wenn nicht oder nicht vollständig gemeldet wird. Gerade jene aber, die das Geschäft der Abtreibung besorgen, sind daran interessiert, eine Verminderung der Zahlen zu veröffentlichen, damit die Gesellschaft meint, man sei auf gutem Weg. 

Es würde der Stuttgarter Zeitung mal gut anstehen, nicht einfach Statistiken zu berichten sondern solche Recherchen anzustellen. Aber selbst wenn die Zahl stimmen würde: 100.000 Tötungen im Mutterleib ist die schlimmste Menschenrechtsverletzung. Die Zahl der im Mutterleib Getöteten mit weltweit über 40 Millionen – so die WHO - jährlich ist mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Hungertoten, der aus Armut Sterbenden, der an Ebola Sterbenden, der Aids-Toten, der Unfalltoten, der Toten durch Terroranschläge und Naturkatastrophen, alle zusammen genommen!

Wenn es so viel Tote im Straßenverkehr gäbe, würde man eiligst Gipfelkonferenzen einberufen und überlegen, was man zur Verminderung beitragen könnte. Aber im Falle der vorgeburtlichen Tötungen im jährlichen Ausmaß von einer Großstadtbevölkerung will offenbar niemand die Friedhofsruhe beenden.

Abtreibungen sind und bleiben kinderfeindlich, frauenfeindlich, menschenfeindlich.

"Pille danach"-Absatz nach Rezeptfreiheit rasant gestiegen

(PM Apotheke Ad Hoc) Seit zwei Wochen können Frauen die "Pille danach" ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Wie der Branchendienst APOTHEKE ADHOC berichtet, wurden alleine in der ersten Woche fast ein Drittel mehr Packungen abgegeben als bislang üblich.

Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health wurden in der 12. Kalenderwoche 13.500 Packungen der "Pille danach" in den Apotheken abgegeben. Hochgerechnet auf den ganzen Monat entspricht das 54.000 Packungen. Verglichen mit 41.000 Packungen im März 2014 ergibt sich ein Anstieg von 31 Prozent.

Zwar sind beide Wirkstoffe rezeptfrei. In der Selbstmedikation wurde bislang allerdings nur EllaOne (Ulipristal) abgegeben. Die Apotheken waren wegen der unklaren Rechtslage zu den noch nicht umgestellten Packungen der "Pille danach" mit Levonorgestrel offenbar vorsichtig.

Trotz des markanten Anstiegs erwartet der Hersteller HRA Pharma auf das Jahr gerechnet geringere Zuwächse. Im Startmonat März sei wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit mehr zu erwarten gewesen, die Kurve werde aber abflachen, sagt HRA-Deutschlandchef Klaus Czort. Der Hersteller hatte mehr als 100.000 Packungen ausgeliefert.

Wachstumspotential für die Zukunft sieht Czort dennoch: In Deutschland gebe es einen Bedarf für den Fall von Risikosituationen - dazu zählen alle Arten von Verhütungspannen sowie ungeschützter Verkehr - von 2,4 Millionen Packungen pro Jahr. Davon sei man mit zuletzt 400.000 Packungen im Jahr noch sehr weit entfernt, so Czort.

Donnerstag, 26. März 2015

Antwort des Bundesfrauenministeriums (Manuela Schwesig) auf Postkartenaktion von SOS-LEBEN bzgl. Geschlechtsselektion durch Abtreibung

Frau Bundesministerin Manuela Schwesig dankt für Ihre Mail. Aufgrund der Vielzahl der Zuschriften ist es der Ministerin leider nicht möglich, alle Anfragen selbst zu beantworten. Sie hat daher das Service-Team gebeten, Ihnen zu antworten.

In Ihrer Mail sprechen Sie sich für ein Verbot einer Geschlechtsselektion durch Abtreibung aus. Eine Einführung eines solchen Verbotes ist nicht erforderlich, da in Deutschland bereits eine ausreichende gesetzliche Grundlage besteht, um Geschlechterselektion durch Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern.

Nicht-invasive pränatale Diagnostik an fetaler DNA aus mütterlichem Blut, wie der Praena-Test, unterfällt als vorgeburtliche genetische Untersuchung zur Feststellung genetischer Eigenschaften vollumfänglich dem Gendiagnostikgesetz (GenDG). Das bedeutet, dass eine solche Untersuchung unter einem Arztvorbehalt steht. Ein vorgeburtliche genetische Untersuchung darf zudem nur zu medizinischen Zwecken und nur vorgenommen werden, soweit sie auf bestimmte genetische Eigenschaften des Embryos oder Fötus abzielt, die nach dem allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft und Technik seine Gesundheit während der Schwangerschaft oder nach der Geburt beeinträchtigen, oder wenn eine Behandlung des Embryos oder Fötus mit einem Arzneimittel vorgesehen ist, dessen Wirkung durch bestimmte genetische Eigenschaften beeinflusst wird.

Das bedeutet, eine vorgeburtliche genetische Untersuchung an fetaler DNA zur alleinigen Feststellung des Geschlechts ist unzulässig. Mit Freiheits- oder Geldstrafe wird bestraft, wer eine vorgeburtliche genetische Untersuchung vornimmt, die nicht medizinischen Zwecken dient oder die nicht auf die o. g. genetischen Eigenschaften des Embryos oder des Fötus abzielt (s. § 25 Abs. 1 Nr. 3 GenDG).

§ 15 Abs. 1  S. 2 GenDG sieht für den Fall, dass anlässlich einer o. g. Untersuchung oder einer sonstigen vorgeburtlichen Untersuchung das Geschlecht eines Embryos oder Fötus festgestellt wird, vor, dass dies der Schwangeren mit ihrer Einwilligung nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden kann. Eine Mitteilung des Geschlechts vor Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche wäre unzulässig. Da ein Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation nur in den ersten zwölf Wochen, und nur unter einer Reihe weiterer Voraussetzungen, straffrei bleibt, ist ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen zur Vermeidung einer vorgeburtlichen Geschlechtsselektion inadäquat und ungeeignet.

Zudem sind Sie der Auffassung, der Schwangerschaftsabbruch müsste generell verboten werden und bitten Frau Bundesministerin Schwesig, sich für ein entsprechendes weltweites Verbot einzusetzen. Dazu kann Folgendes mitgeteilt werden:

Nach § 218 Absatz 1 Satz 1 des Strafgesetzbuches (StGB) ist grundsätzlich jeder Schwangerschaftsabbruch strafbar. Der Straftatbestand gilt allerdings gemäß § 218a Absatz 1 StGB als nicht verwirklicht,  wenn - neben anderen Voraussetzungen - zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, die Schwangere den Abbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nachgewiesen hat, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen.

Das geltende Recht des Schwangerschaftsabbruchs wurde vom Deutschen Bundestag in einem sehr langen und komplizierten Verfahren beschlossen, der sich bei der Neufassung der §§ 218 ff. StGB an die Vorgaben aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Mai 1993 hielt.  Das Bundesverfassungsgericht hatte u. a. entschieden, dass der Staat zwar eine Schutzpflicht für das werdende Leben habe, in dessen Rahmen er auf den Einsatz des Strafrechts und die davon ausgehende Schutzwirkung nicht frei verzichten könne, es ihm aber verfassungsrechtlich grundsätzlich nicht verwehrt sei, in der Frühphase der Schwangerschaft in Schwangerschaftskonflikten den Schwerpunkt auf die Beratung der schwangeren Frau zu legen, um sie für das Austragen des Kindes zu gewinnen. § 218a Abs. 1 StGB liegt der Rechtsgedanke zugrunde, das Strafrecht im Interesse einer Beratung, die die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft ermutigen soll, zurückzunehmen. Damit soll ein besserer Schutz des ungeborenen Lebens erreicht werden als mit einer Strafandrohung, die sich in der Vergangenheit als weitgehend wirkungslos erwiesen hatte.

Auf internationaler Ebene verfolgen wir ebenfalls mit Sorge die von Ihnen thematisierte Geschlechterselektion durch Abtreibung in manchen Teilen der Welt. Doch die Bundesregierung ist der Auffassung, dass ein weltweites Verbot der Geschlechtsselektion durch Abtreibung allein nicht zu einer Verbesserung der Situation führen würde. Die Erfahrungen aus der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zeigen, dass ein Verbot nicht zwangsläufig zu einer Reduzierung der Abtreibungen führt, sondern dazu, dass die Abtreibungen zunehmend unsachgemäß durchgeführt werden und somit das Leben und die Gesundheit der betroffenen Mädchen und Frauen gefährden. Jährlich sterben ca. 47.000 Mädchen und Frauen aufgrund von unsachgemäß durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen. Mehr als 5 Millionen leiden unter den Komplikationen nach einer unsicheren Abtreibung.

Daher müssen vielmehr die Ursachen für diese Praktiken adressiert werden. Die Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Grundsatz der deutschen Entwicklungspolitik; beispielsweise strebt sie eine Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften als dem Hauptgrund von Schwangerschaftsabbrüchen durch eine breite und zuverlässige Versorgung mit Verhütungsmitteln an sowie die Förderung der Gesundheits- und Lebenskompetenz von Jugendlichen (z.B. durch umfassende Sexualaufklärung).

Dass speziell weibliche Föten in manchen Teilen der Welt vermehrt abgetrieben werden, ist in einem komplexen Zusammenhang sozialer und wirtschaftlicher Ursachen der jeweiligen Gesellschaft zu betrachten. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt einen ganzheitlichen menschenrechtsbasierten Ansatz zur Bekämpfung jeglicher Diskriminierung und zur Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter. Mädchen und Frauen werden unterstützt, Zugang zu einer hochwertigen Bildung, sozialer Sicherung sowie gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe zu erlangen. Der Zugang zu Informationen und Methoden der Familienplanung sowie eine zuverlässige Gesundheitsversorgung sind hierbei von besonderer Bedeutung.

Die deutsche Bundesregierung erachtet somit sowohl national als auch international ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen als nicht geeignet, um Geschlechtsselektion durch Abtreibung zu verhindern. In der Entwicklungszusammenarbeit wurden allerdings bereits Maßnahmen ergriffen, um dieser Besorgnis erregenden Praxis entgegen zu wirken. Die bestehenden Regelungen von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Pränataldiagnostik in Deutschland sind ausreichend, um eine gezielte Abtreibung weiblicher Föten nicht zuzulassen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit den Ausführungen weiterhelfen konnten.

Antwort der Niedersächsischen Staatskanzlei auf Postkartenaktion von Kinder in Gefahr bzgl. Schulischer Sexualerziehung (Kommentar folgt)





Dienstag, 24. März 2015

Die wichtigsten Redebeiträge auf der "Demo für Alle" vom 21. März 2015 in Stuttgart

Absurd: Grundschulverband fordert die Abschaffung der Schreibschrift

Es soll rein theoretisch mal wieder alles einfacher werden – in immer mehr Grundschulen wird deshalb die Druckschrift als einzige Schrift gelehrt. Am Ende der vierten Klasse soll aber eine flüssige lesbare Handschrift geschrieben werden. Ob dies ausschließlich durch Druckschrift erreicht wird ist fraglich.

Der Grundschulverband hat der Lateinischen Ausgangsschrift, die 1941 von den Nationalsozialisten im Westen eingeführt worden war, in den siebziger Jahren eine vereinfachte Ausgangsschrift hinzugefügt. Der erwartete Durchbruch blieb aus, weil sie etabliert worden war, ohne vorher auf ihre Lerneffekte zu achten.

Es gibt bisher keine ausreichenden Erkenntnisse darüber, mit welcher Schrift Kinder besser Schreiben und Lesen lernen. Überzeugt hat der Verband Lehrer und Eltern sowie Politik und viele zeitgeistanfällige Erziehungswissenschaftler mit demselben fadenscheinigen Argument, mit dem auch die Rechtschreibreform aufgezwungen wurde: Für die Schüler sollte alles einfacher werden…

…Zur Erinnerung an die missglückte Rechtschreibreform, die einst unter dem Vorwand eingeführt wurde, häufige Rechtschreibfehler der Schüler zu minimieren: Laut einer Studie der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) zehn Jahre nach Inkrafttreten der Reform verdoppelte sich die Anzahl der orthographischen Fehler von Schülern in deutschen Schulen. Und besonders hoch war danach die Fehlerquote in solchen Textpassagen, die von den Änderungen durch die Reform betroffen waren. Ergebnisse einer verfehlten Sprachen- und Bildungspolitik in Deutschland.

Reform- und Schreib-Chaos in deutschen Schulen

Grundschüler in Deutschland lernen zurzeit vier unterschiedliche Schriften. Denn in den ostdeutschen Ländern wird häufig weiter die Schrift gelehrt, die 1968 von der DDR eingeführt wurde. Im Westen beginnen viele Grundschulen mit Druckschrift, um dann in der zweiten und dritten Klasse mit der Schreibschrift fortzufahren. Doch es gibt nicht einmal ländereinheitliche Regelungen.

Spätestens seit den siebziger Jahren hätte es die Gelegenheit gegeben, zu untersuchen, welche Schriftart sich wie auf das Lernen auswirkt. Aber darauf wurde verzichtet. Der Deutsche Lehrerverband versucht jetzt wenigstens in einer Umfrage herauszufinden, wo Lehrer die Schwierigkeiten mit dem Schreibchaos sehen und wie mögliche Lösungen aussehen könnten.

Studien belegen, dass Kinder, die flüssig mit der Hand schreiben, andere und mehr Hirnareale aktivieren als beim Schreiben einzelner Buchstaben. Schüler mit einer Verbundschrift können sich Texte besser merken und ihren Sinn besser erfassen. Denn das Schreiben mit der Hand ist gerade in der Anfangsphase des Lernens ein Prozess, bei dem nicht einzelne Buchstaben isoliert verschriftet werden, sondern sprachliche Einheiten, die Silben und Morphemen entsprechen. Gute Schreiber rhythmisieren entlang von Silben, während schwache Schreiber keinen Rhythmus finden und nur den einzelnen Buchstaben sehen. Verbundene Schriften machen sprachliche Einheiten besser lernbar.

Die Schreibschrift fördert nämlich motorische Fähigkeiten, ästhetisches Bewusstsein und fließendes Denken. Wer nur eine Druckschrift lernt, schreibt in der Regel langsamer, wenig leserlich und muss sich ständig stärker anstrengen.

Mit Material der FAZ

Achtung!- für alle Eltern: Kinder Chatten bereits mit 10 Jahren im Internet

Sobald Kinder ein internetfähiges Gerät bekommen, verändert sich ihre Welt entscheidend. Sämtliche Websites stehen ihnen zur Verfügung, Onlinespiele, Foren, Blogs und durch Web-TV können Kinder auch mittags die Filme des Spätprogramms sehen. Es gibt kaum Beschränkungen – Alterskontrollen können mit einem Klick umgangen werden.

Gleichzeitig können sie mit Menschen in Kontakt treten, die mit ihrem realen Leben gar nichts zu tun haben. Bereits mit 10 Jahren beginnen Kinder, sich im Internet mit Fremden zu unterhalten, so Medienforscher.

Was Eltern tun können

Bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, eine Auswahl an Internetseiten zu treffen, die das Kind besuchen darf. Bei Smartphones und Tablets können zudem einzelne Funktionen, wie In-App-Käufe, das Herunterladen bestimmter Inhalte oder die Kamera, gesperrt werden (Links für iOS-Geräte und für Android). Dennoch sollten Eltern auch jüngere Kinder darauf hinweisen, dass man nie genau weiß, wer sich hinter einem Online-Kontakt verbirgt.

Bei Jugendlichen von 15 oder 16 Jahren bringen Verbote weniger, doch wie bei jedem Schritt in die Selbständigkeit lohnt es sich, die neu gewonnene Freiheit mit den Jugendlichen zu besprechen. Gerade wenn es ums Internet geht, lassen sich viele Eltern vom technischen Wissen ihrer Kinder entmutigen. Doch das ist falsch, Eltern können bei wichtigen Aspekten des Internets sehr wohl mitreden.

Unabhängig vom Alter ist es wichtig, Kindern zu erklären, dass sie sich bei unangenehmen Erlebnissen immer an die Eltern wenden können. Das tönt trivial, aber Forschungen zeigen, dass über die Hälfte der Eltern nichts von den schlechten Internet-Erfahrungen ihrer Kinder wissen. Kinder beschäftigen dabei auch Dinge, die wir nicht unmittelbar mit dem Internet verknüpfen. Wenn sie zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder auf Nachrichtenportalen Bilder aus Kriegsgebieten sehen.

Mit Auszügen des Tagesanzeiger.ch

Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen besorgt um Bluttest auf Down-Syndrom

(idea) – Der Bluttest zur vorgeburtlichen Feststellung des Down-Syndroms (Trisomie 21) bereitet 150 Abgeordneten aus allen vier Fraktionen im Deutschen Bundestag Sorgen: Sie haben eine 18 Fragen umfassende „Kleine Anfrage“ an die Bundesregierung gestellt. 

Hintergrund sind die Beratungen des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über eine Erprobung des Bluttests. Ergebnis könnte seine Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen sein. Dann würden sie die Kosten erstatten. Aktuell wird diese Blutuntersuchung auf freiwilliger Basis durchgeführt. Der Preis liegt bei mindestens 485 Euro. Die Abgeordneten befürchten, dass die Möglichkeit, sehr früh und „risikoarm“ zu testen, auch die gesellschaftliche Erwartung erzeugen könnte, dieses Angebot zu nutzen. Damit erhöhe sich der Druck, ein „perfektes“ Kind zu gebären. Eltern könnten bei einer Entscheidung für ein behindertes Kind künftig immer mehr in Erklärungsnot geraten

Verwiesen wird auf Dänemark. Dort werde der Bluttest seit 2005 allen Schwangeren angeboten. Seitdem habe sich die Zahl der mit Down-Syndrom geborenen Kinder halbiert. Die Abgeordneten wollen unter anderem wissen, wie sich die Zahl der mit Trisomie 21 lebend geborenen Kinder in Deutschland während der vergangenen 15 Jahre entwickelt hat und worin der medizinische Zweck der Blutuntersuchung bestehe. Nach eigenen Angaben handelt es sich seit der Deutschen Einheit 1990 um die erste Kleine Anfrage, die von allen Bundestagsfraktionen getragen wird.

Eingebracht wurde sie auch von dem stellvertretenden Vorsitzenden der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), dem Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe (CDU). Er sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass die vorgeburtliche Blutuntersuchung als Kassenleistung nicht mit den Bemühungen um eine inklusive Gesellschaft zusammenpasse: „Die Praxis, dass Kinder mit Behinderung unter der medizinischen Indikation bis zur Geburt abgetrieben werden, hat mit Inklusion nichts zu tun.“ Weiter fragt Hüppe: „Welchen Sinn hat eine von der Mitgliederschaft der Krankenkassen finanzierte Diagnose, die keinen therapeutischen Nutzen hat? Ist es die Aufgabe der Krankenkassen, die Abtreibung von behinderten Kindern zu fördern?“ Es sei die schlimmste Diskriminierung überhaupt, dass von der Norm abweichende Kinder getötet werden. Schon jetzt finde bei über 90 Prozent der identifizierten Kinder mit Down-Syndrom eine Abtreibung statt. Ein weiterer Anstieg sei zu befürchten, wenn der Bluttest zur Kassenleistung werde. 

Bislang habe es über dieses Thema keine gesellschaftliche Diskussion gegeben. Diese wolle man mit der Kleinen Anfrage anstoßen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte gegenüber idea zu der Diskussion um den Bluttest: „Der medizinische Fortschritt stellt uns immer wieder vor ethische Herausforderungen. Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir nicht denken, wir könnten auf Erkenntnis einfach verzichten, weil es leichter ist, mit Nichtwissen umzugehen als mit Wissen.“ Trotzdem müsse man sich mit Risiken einer „erweiterten Erkenntnismöglichkeit“ sehr intensiv beschäftigen. Die Gefahr einer Selektion menschlichen Lebens müsse sehr ernst genommen werden. Gröhe: „Die Frage, wie wir Menschen ethisch befähigen oder ihnen in Konflikten helfen, mit solchem Mehrwissen über den Gesundheitszustand eines ungeborenen Kindes umzugehen, ist eine große Herausforderung.“